Berlin in Versen – persönlich, lebendig, unverkennbar.
Alwina E. Berger nimmt uns mit auf eine poetische Reise durch ihre Heimatstadt: von bekannten Plätzen bis zu versteckten Seen, von pulsierenden Festivals bis zum stillen Tiergarten. Ihre Gedichte feiern den Wandel der Hauptstadt, die Natur inmitten der Großstadt – und das Lebensgefühl, das nur Berlin vermitteln kann. Mit viel Herz und einem klaren Bekenntnis zur Stadt entsteht ein liebevoller, lyrischer Stadtplan: Berlin, wie sie es sieht – und fühlt.
Leseprobe
Rückblick und Ausblick
So viele Jahre nach dem Mauerfall!
Zeit zum Erinnern und zum Besinnen:
Als ob es gestern war – des Jubels Schall,
in meinen Ohren noch der Freude Stimmen! ...
Ich seh’ die Menschen sich in Arme falln
und weinen ihres Lebens schönste Tränen;
sie lachen glücklich, spüren, wie zerfalln
Trennung und Schmerz, die sie ja so gut kennen!
Doch dann, nach Tagen, Wochen, Monaten der Euphorie,
wird allen klar: Der Preis des Glücks wird hoch sein!
Und dass der Weg zu einer wahren Harmonie
sei wohl sehr lang und steinig, aber heilsam.
Ja, es gab dann wieder Tränen einer andren Art,
von beiden Seiten – manche Zweifel, viele Fragen;
doch wussten wir: Zurück geht nicht die Fahrt,
wir können nur die Fahrt nach vorne wagen.
Wer wagt, gewinnt! Wir hielten uns daran,
wir wollten unsre Chancen nicht verpassen;
und heute sieht man doch: Es geht voran,
wo wir ausgeharrt, nicht losgelassen.
Die Welt blickt voller Achtung auf unsren Mut;
wir haben viele gleichgesinnte Freunde;
und weggeräumt aus der Geschichte alter Schutt –
wir wollen leben in dem Jetzt und Heute!
Das Jetzt und Heute, unsre neue Welt,
macht Hoffnung auf einen Menschheitstraum,
dass diese Welt endlich zusammenhält
und Hass nie wieder findet einen Raum!
Unser Zuhause ist heute schön geschmückt,
so freundlich, hell empfangen uns die Straßen,
Geschäfte, die von vielen gut besucht;
bei uns sind anzutreffen Menschen aller Rassen.
Alwina E. Bergers Gedichte haben ein unmissverständliches und eindeutig definiertes Thema: BERLIN!
Man merkt sofort, dass die Autorin Berlin über alles liebt und voller Begeisterung für diese wunderschöne Stadt hat es sie dazu gedrängt, Gedichte darüber zu schreiben.
So beginnt der Gedichtband auch mit „Mein Berlin“, in dem die Autorin ihre Wahlheimat persönlich anspricht, wie sie sich verändert und gewandelt hat im Laufe der Zeit und sagt ihr eine gute Zukunft vorher.
Prägend ist auch der Mauerfall Berlins mit der Wiedervereinigung Deutschlands und allen Folgen, die damit verbunden sind. Berlin wird beschrieben mit seinen markanten Plätzen, Straßen und Stadtteilen, den Flüssen und Seen, wie z.B. dem Wannsee oder dem Bezirk Spandau.
Alwina E. Berger schreibt voller Euphorie von Festivals und Veranstaltungen, die Berlins Lebendigkeit und Lebensfreude zum Ausdruck bringen. Berlin ist eine Stadt, die niemals stehen bleibt, sondern sich ständig im Aufbruch und Wandel befindet. Wichtige Einrichtungen und Institutionen, wie die Humboldt-Universität, das Adlon und der Dussmann-Kulturpalast finden Platz in den lyrischen Zeilen. Die Autorin möchte dem Leser auch – für sie sehr wichtige – Werte vermitteln; es geht um Gerechtigkeit, Bildung, Politik und Wissenschaft.
Stammend aus einer russisch-deutschen Familie spielen ihre russischen Wurzeln und die Sprache an sich eine bedeutende Rolle. In etlichen Gedichten sind wichtige Persönlichkeiten für Alwina E. Bergers Leben Thema, sei es Alexander Iljinskij, die Komponistin und Dirigentin Maria B. oder Heinrich Heine.
Im zweiten Teil dieses Gedichtbands spielt die Flora und Fauna Berlins eine wesentliche Rolle. Welchen Einfluss und welche Wirkung diese hat, zeigt uns auch folgendes beflügelte Gedicht.
Im grünen Gürtel von Berlin
Hoch über mir
die blaue Himmelskuppel...
Durch Kiefernzweige strahlt die goldne Sonne...
Die leichten weißen Wolken ziehn vorüber...
Welche Erquickung!
Welch Herzenswonne!
Ich atme ein
berauschende Lüfte,
vom Vogelsang aufs Neue ganz entzückt;
und überall schweben die Frühlingsdüfte...
Und Frieden! Frieden!
an mich näher rückt.
Ich lasse mich
in diesem Paradiese fallen,
jenseits der Hektik, Pflicht und fern vom Stress.
Von meiner Seele fällt hier ab die Schale –
sie lebt hier auf!
Wen wundert es?!
Die Rede ist hier natürlich auch vom Tiergarten und der tragischen Geschichte des Eisbären Knut. Hinzu kommen unterhaltsame und aufheiternde Zeilen über die Waschbären in Petershagen bei Berlin und den Kater Willi.
Zum Ende hin führt uns die Autorin durch das Schauspiel der Jahreszeiten in Berlin – wie sie selbst den Wandel der Stadt in den vier Jahreszeiten miterlebt und empfindet:
Es ist Sommer in Berlin,
und alle Türen, alle Fenster stehen auf;
Musik, laute Stimmen überall – man nimmt`s in Kauf! ...
Es ist Sommer in Berlin!
Man schwelgt und fühlt sich plötzlich wie im Rausch;
man sonnt sich, badet, ist vergnügt, genießt und lauscht! …
Alwina E. Berger bekräftigt zum Schluss nochmals, wie sehr ihr Berlin am Herzen liegt, und – wo immer auf der Welt sie leben könnte – sie würde immer wieder nach Berlin zurückkehren, aufgrund des Flairs, der wunderschönen Plätze und Straßen und des Heimatgefühls, das ihr diese Stadt für immer geschenkt hat.
Liest man ihre Gedichte, bekommt man sofort den Wunsch, sich diese einmalige Stadt (wieder) anzuschauen, zu erkunden und vielleicht auch durch die Augen der Autorin mit Hilfe ihrer Gedichte zu erkunden. Wunderbar veranschaulicht wird dies auch durch die Bilder, die ihre Gedichte optisch sehr schön abrunden.
Voller Enthusiasmus, Esprit und Lebenslust gibt uns Alwina E. Berger einen ganz individuellen und sehr abwechslungsreichen Einblick in „Ihr Berlin“.